Ein Erfahrungsbericht über die "Verleihung" gelber Karten (GK)



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Handle ich pflichtbewußt oder unerlaubt missionarisch, wenn ich jemanden aufkläre, der gar nicht von seinem und meinem Problem weiß?
Beim ersten Mal stieg ich mit klopfendem Herzen und 20 GK in der Brusttasche in die voll besetzte S-Bahn und wartete auf die erste Situation, in der einer der drei Mitfahrenden in meiner Bankreihe aus seinem MP3-Player ein Handy machte und ein Gespräch begann. Nach ca. 2 Minuten ungewollten Mithörens hatte ich das Gefühl, jetzt ist die Situation für die Verleihung der GK.
Ich hielt also meinem ca. 35 jährigen Gegenüber die gelbe Seite der Karte vor die Nase, worauf er in seinem Gespräch stockte, stirnerunzelnd auf die GK schaute und ins stottern kam. Zwei Sätze weiter unterbrach er sein Gespräch mit den Worten: "Du, ich rufe später noch mal an."
Jetzt nahm er mir die Karte ärgerlich aus der Hand, blieb aber still und las ein wenig. Etwas gereizt fragte er mich dann: "Ja und, was geht Sie mein Gespräch an, Sie können doch weghören. Das macht doch heute jeder".

Jetzt blickten die anderen beiden auf und warteten gespannt was ich sagen würde. Meine (etwas geraffte) Antwort: "Naja, was heute jeder macht, muss doch noch lange nicht richtig sein. Ich möchte Ihnen nur mitteilen, dass Sie - auch nach Meinung des Bundesamtes für Strahlenschutz - sich und alle hier Anwesenden einem erhöhten Gesundheitsrisiko aussetzen."
Damit begann eine wilde Diskussion, an der sich auch die anderen beiden Sitznachbarn beteiligten. Es wurden die üblichen oberflächlichen Argumente ausgetauscht (...nichts bewiesen..., ...dann dürfte ich ja auch nicht fernsehen..., ...wenn das Handy gefährlich wäre, wäre es doch verboten ..., usw.)
Ich brauche jetzt nicht meine Antworten dazu zusetzen, weil Sie liebe/r LeserIn als KritikerIn diese ja bereits in ähnlicher Form ebenfalls benutzt haben. Ich versuchte, so schnell wie möglich auf die provozierende Frage zuzusteuern, ob das Argument, dass Rauchen 50-tausend Tote pro Jahr fordert, dadurch ungültig würde, weil die Bundesregierung das Rauchen nicht absolut verbietet und ausserdem einige Milliarden Euro Zigarettensteuern kassiert. Damit wendete sich das Blatt zu meinem Gunsten. Ich durfte unwidersprochen auf das unbekannt große Risiko "hochfrequenter Elektrosmog" hinweisen und die Frage stellen, was man denn gemeinhin macht, wenn man ein Risiko nicht einschätzen kann.
Die Antworten kamen ohne weiteres Zutun von mir:
- vorsichtig sein,
- im Zweifelsfall Handygespräche reduzieren oder die Finger davon lassen
- sich informieren,
- nicht denen trauen, die damit Geld verdienen,

Das Eis war gebrochen, die verbliebene Zeit bis zum Aussteigen zu kurz, noch lange nicht alle Fragen beantwortet und ich viel selbstsicherer geworden. Beim Aussteigen fragte noch einer der beiden Mitdiskutanden: "Ach, kann ich nicht auch so eine Karte bekommen?"
Seit dem freue ich mich auf jede neue Möglichkeit eine Gelbe Karte verteilen zu können.

Ergänzen möchte ich noch:
- ich nehme inzwischen viel weniger GK mit, weil die sich entwickelnden Situationen keine Massenverteilung ermöglichen. Aber in geschätzt 80 % der Fälle hinterläßt eine GK doch mindestens einen nachdenklich gewordenen Menschen. 5% steckt die Karte wortlos ein oder wirft diese demonstrativ weg.
- nicht jede Situation eignet sich zum Überreichen der GK
- Den Titel "Spinner" habe ich auch schon erhalten. Aber da war ich schon innerlich so gefestigt, das ich darüber nur schmunzelte.


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